
Aktuelle Richtlinie des ÖBFV – Was Feuerwehren jetzt wissen müssen!
Einleitung
Stationäre Batteriespeichersysteme (engl.: BESS = Batterie Energy Storage System) gewinnen rasant an Bedeutung – in Gewerbe, Industrie, Energieversorgung und zunehmend auch im privaten Bereich. Mit der TRVB 165 N „Batteriespeichersysteme“ veröffentlicht der Österreichische Bundesfeuerwehrverband eine neue Technische Richtlinie, die erstmals umfassende Mindestanforderungen für den vorbeugenden Brandschutz definiert. Für Feuerwehren ist sie ein zentraler Baustein zur Einsatzvorbereitung.
Hintergrund: Warum eine neue TRVB?
Lithium-Ionen-Batterien bergen im Fehlerfall das Risiko eines thermischen Durchgehens (thermal runaway). Dabei entzündet sich eine Zelle, was zu einer Kettenreaktion weiterer Zellen führen kann. Die TRVB 165 N nimmt Stellung zu folgenden Themen:
- Steigende Energieinhalte moderner Speicheranlagen.
- Zunehmende Installationen in Gebäuden und waldbrandgefährdeten Bereichen.
- Internationale Erkenntnisse aus Brandversuchen (u. a. UL 9540A = Internationale Prüfnorm der US-Underwriter Laboratories).
Die Richtlinie schafft erstmals einheitliche Standards für Planung, Errichtung und Betrieb solcher Anlagen.
Kerninhalte der TRVB 165 N
- Grundlagen und Begriffe
Die TRVB definiert klar die Systeme:
- BESS – Batteriespeichersysteme
- BSKW – Batteriespeicherkraftwerke Damit wird ein einheitliches Verständnis für Behörden, Betreiber und Einsatzkräfte geschaffen.
- Großbrandversuche nach UL 9540A
Die Richtlinie stützt sich auf die international anerkannte Testmethode zur Bewertung des Brandverhaltens von Batteriesystemen. Sie bildet die Grundlage für Abstandsregelungen und bauliche Anforderungen.
- Aufstellungsanforderungen
- Im Freien: Berücksichtigung von Abständen, Witterung, möglicher Waldbrandgefahr und Löschwasserversorgung.
- In Gebäuden: Massive Bauweise (z. B. REI 90, A2), Vermeidung gegenseitiger thermischer Beeinflussung, besondere Anforderungen bei hohen Energieinhalten.
- Organisatorischer Brandschutz
Dokumentation, Wartung, Notfallkonzepte und klare Verantwortlichkeiten sind verpflichtend festgelegt.
- Löschwasserversorgung
Je nach Standort können erhöhte Anforderungen gelten – insbesondere bei abgelegenen Anlagen oder in Waldbrandzonen.
Bedeutung für Feuerwehren
Die TRVB 165 N liefert wichtige Hinweise für die Einsatzpraxis:
- Einsatzvorbereitung: Feuerwehren sollten lokale BESS-Anlagen erfassen und in Einsatzpläne integrieren.
- Taktik: Ein klassischer Löschangriff ist nicht immer sinnvoll. Die Richtlinie betont, dass ein kontrolliertes thermisches Umsetzen – unter Sicherstellung ausreichender Löschwasserversorgung – eine Option sein kann.
- Gefahreneinschätzung: Die Batterietechnologie entwickelt sich schnell. Feuerwehren müssen daher regelmäßig den Letztstand der TRVB prüfen.
Fazit
Die neue TRVB 165 N harmonisiert den Brandschutz bei Batteriespeichersystemen und schafft klare Leitlinien für Betreiber und Einsatzkräfte. Für Feuerwehren bedeutet das: Ausbildung aktualisieren, Einsatzpläne anpassen und die Richtlinie aktiv nutzen. Sie ist über die ÖBFV-Cloud abrufbar und sollte in jeder Feuerwehrführung bekannt sein.


